Unterschätze nie deine Mitmenschen, egal in welchem Zustand sie sind

Was sagt man doch…. Betrunkene, Kinder und demente Menschen sind einfach gnadenlos ehrlich.
Dies durfte ich auch wieder am eigenen Leib erfahren, als ich eine demente Omi  besuchte. Die Demenz war bei ihr schon weiter fortgeschritten, und sie lebte in ihrer eigenen kleinen Welt.
Als wir da nun so zusammen saßen, äußerte sie den Wunsch, dass sie gerne etwas zu trinken hätte. Ich freute mich immer darüber wenn ich ihre Bedürfnisse erkannte da die verbale Kommunikation durch die Demenz doch teilweise nur sehr  eingeschränkt möglich war und nur ganz selten noch etwas deutlich aus ihrem Mund zu verstehen war.
Ich machte mich direkt auf und holte ihr einen Becher mit Saft. Ich wollte ihn grade auf den Tisch vor ihr hinstellen, da fiel mir der Becher vor ihr aus der Hand auf den Boden. In diesem Moment drehte sie den Kopf und ihre Augen wurden ganz groß. Sie schaute erst mich an, dann zum Boden und dann wieder zu mir. Anschließend schüttelte sie leicht den Kopf und sagte ganz deutlich zu mir: „Ich bin ein armes Schwein und du ein dummes.“ Sie lachte und auch ich begann herzlich zu lachen.
Ich beseitigte die Schweinerein und besorgte ein neues Glas Saft. Als ich zurück kehrte war die Omi schon wieder in ihre eigene Welt zurückgekehrt und summte  ein Lied vor sich hin.
Auf dem Weg nach Hause musste ich noch einmal herzlich lachen.
Solche Situationen machen mir immer wieder bewusst, dass man seine Mitmenschen, egal wie klein oder eingeschränkt sie wirken, niemals unterschätzen sollte.

 

25.1.16 12:04

bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


field (25.1.16 12:20)
super


geringelt / Website (25.1.16 19:48)
Das kenn ich nur zu gut und kann ich nur bestätigen. Die Pflege auf der Demenzstation hat mich viel über Menschen und ihre wahren Gesichter gelehrt. Naja...und 5 Kinder hab ich ja auch, die mir jeden Tag ihre Ehrlichkeiten un die Ohren hauen


Indianwinter (29.1.16 11:46)
Hallo,
zum Glück gibt es Demenz bei uns in der Familie bis jetzt noch nicht. Ich habe aber auch schon Erfahrung damit gemacht und mir tat es so leid, daß da manchmal Ängste sind und man sich irgendwie hilflos fühlt.


effi (31.1.16 09:59)
Ich kann deine Ängste gut verstehen. Das hatte ich zu Beginn auch, irgendwann habe ich für mich gesehen, dass ich nichts tun kann außer es so zu akzeptieren wie es ist und die Leute einfach ein Stück in ihrer Welt, in der sie leben, zu begleitet.

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